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19. Mai 2017

Vor-Ort-Termin auf dem Gelände der Bohrschlammdeponie Brüchau

Frederking vor der Giftschlammdeponie auf dem Brüchauer Betriebsgelände der ENGIE E&P Deutschland GmbH

ALTMARK. Von hochgiftigen Chemikalien und radioaktiven Abfällen aus der Erdgasproduktion in der Bohrschlammdeponie fühlt sich die Bevölkerung bedroht und fürchtet zudem negative Auswirkungen auf die Umwelt in Kalbes Ortschaft Brüchau in der West-Altmark. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass der Schutz der Bevölkerung vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Schutz der Umwelt und des Grundwassers für die endgültige Stilllegung maßgeblich sein müssen. Viele meinen, dass dafür nur ein vollständiger Rückbau mit Auskofferung in Frage kommt, wofür sich auch der Grubenbetreiber offen zeigt.

Heute trafen sich altmärkische Landtagsabgeordnete der Koalitionsfraktionen – u.a. Dorothea Frederking (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, energiepolitische Sprecherin), um sich unmittelbar vor Ort auf dem Brüchauer Betriebsgelände der ENGIE E&P Deutschland GmbH über die Giftschlammdeponie zu informieren.

Mit dabei waren auch: Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth, Ulf Kamieth als Ortsbürgermeister von Kakerbeck, Jürgen Bammel aus Brüchau, Steffen Lötge vom Ortschaftsrat Kakerbeck und zwei Vertreter vom Umweltamt des Altmarkkreises Salzwedel.

Reiko Simoneit von der Firma ENGIE informierte die Gruppe unter anderem über den bereits mit Boden verfüllten Teil der ursprünglichen Kerndeponie, die regelmäßigen Messungen von Emissionen und Grundwasser, die Gesundheitsuntersuchungen der Mitarbeiter gemäß Fürsorgepflicht und die geplanten weiteren Untersuchungen zur Ableitung und Bewertung von Schließungsvarianten.

Dorothea Frederking stellte noch einmal die Gefährdung von Mensch und Umwelt durch den gefährlichen Mix aus chemischen Substanzen wie Quecksilber, Arsen, Cadmium, Cyanid und Radionukliden heraus. Der Landtagsbeschluss müsse zügig und konsequent umgesetzt werden. Deshalb werde sie den weiteren Prozess kritisch und konstruktiv begleiten. Alle Behörden müssten ernsthaft an der Problemlösung arbeiten und unverzüglich handeln. Denn die Menschen wollen Ergebnisse und nicht mehr hingehalten werden. Frederking, die sich seit zwei Jahren intensiv mit der Problematik in Zusammenarbeit mit Betroffenen und Behörden auseinandersetzt, verweist auf die nächste Runde im Rathaus von Kalbe, wo die anstehende Untersuchung der Grube beraten werden soll.

Dorothea Frederking erläutert: „Die Grube fällt aufgrund des Bergrechtes in die Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums und außerdem sind Umwelt- und Energieaspekte stark betroffen. Um die richtigen weiteren Verfahrensschritte festlegen zu können, müssen der Grubenzustand und – inhalt schnell untersucht werden. Wir müssen ganz genau wissen, was tatsächlich in welchen Mengen drin ist.“

„Bei der Sanierung darf Geld keine Rolle spielen. Die Lösung muss sich einzig und allein an den tatsächlichen Erfordernissen orientieren, damit jegliche Belastung für Mensch und Umwelt auch für künftige Generationen ausgeschlossen wird.“

„Nach derzeitiger Faktenlage scheint es so, dass nur die Ausbaggerung und Verbringung des Grubeninventars als Stilllegungsvariante in Frage kommt. Der hochgiftige Chemikaliensee mitten in der altmärkischen Landschaft mahnt uns, vom Ende her zu denken. Wir müssen uns bei allem fragen: Was richten wir mit unserer Lebens- und Arbeitsweise an? Brüchau zeigt weitere negative Folgen der fossilen Energiewirtschaft – neben deren Klimaschädlichkeit.“