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8. Juli 2017

„Was ich hier sehe, ist sehr überzeugend“

Engersen. Knapp ein Jahr leben Franziska Klotz und Rudolf Sasse in Engersen. Für den studierten Landwirt und Koch und die Betriebswirtin stand immer fest: Sie wollen eine Landwirtschaft führen. Aber wie? Die Entscheidung fiel auf einen Hühnerhof.

Ihren Riethwiesenhof besuchte am Donnerstagnachmittag die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking im Zuge ihrer Sommertour. Diese steht unter dem Motto „Klima, Umwelt, Landwirtschaft“.

Der Riethwiesenhof sei als Existenzgründung ein gutes Beispiel dafür, „wie Menschen alternativ im Einklang mit der Natur trotzdem wirtschaftlich leben können. Gerade in der dünn besiedelten Altmark stellt sich diese Frage“, so Frederking, die unter anderem vom Grünen-Landesvorsitzenden Christian Franke begleitet wurde. Das Engersener Paar verkauft die Eier nicht nur an der eigenen Haustür, sondern inzwischen in Geschäften in Kalbe, Gardelegen, Klötze, Helmstedt oder auch Wolfsburg. Auch in Magdeburg möchten sie Fuß fassen. Auf dem Naturland-zertifizierten Engersener Hof leben 1000 Hühner.

Die Futteranlage, die Kotabfuhr, diese Dinge laufen voll automatisiert, erzählten Franziska Klotz und Rudolf Sasse im Zuge der Besichtigung des Hünerstalls. So könne das Hauptaugenmerk auf das Wohl der Tiere gelegt werden. Sie bekommen Vollwertfutter und außerdem Grünschnitt und Biogemüse wie Karotten, welches aus einer Gärtnerei in Erxleben kommt: „Alles was übrig bleibt, was zu krumm für den Handel ist, bekommen wir. So wird es auch nicht verschwendet“, so Klotz. Die Hühner haben, anders als bei der konventionellen Massentierhaltung, keine gekürzten Schnäbel oder gestutzte Flügel. „Wir haben ein Drittel mehr Platz für die Tiere, als es Naturland vorgibt“, so Sasse. Die Tiere haben neben dem Hühnerstall einen weitflächigen, grünen Auslauf, auf dem sie sich frei bewegen und im Boden picken können. Auch fünf Hähne sind unter den vielen Hennen. „Was ich hier sehe, ist sehr überzeugend“, so Frederking, die auch andere Beispiele der Bio-Hühnerzucht kennt: „Man kann ohne Hygieneschleuse in den Stall, die Tiere haben Platz und die Möglichkeit zur organischen Beschäftigung. Alle zwei Wochen nur ein Abgang, das ist extrem wenig. Das ist Nutztierhaltung, wie wir Grünen uns sie vorstellen. Außerdem bilde die Landwirtschaft einen Kreislauf, denn der Kot werde an den Futterlieferanten als Dünger für seine Felder verwendet, die Beerensträucher im Gehege nehmen wiederum die Nährstoffe auf und die Transportwege der Lieferungen seien kurz, was wiederum klimaverträglich ist.

Alternativen zur industriellen Landwirtschaft und andere Ideen unter anderem aus den Bereichen Wirtschaft und Energie, wie man den ökologischen Kollaps aufhalten kann, werden im Dokumentarfilm „Tomorrow“ gezeigt. Dieser wurde am Donnerstagabend auf dem Scheunenboden des Riethwiesenhofes öffentlich gezeigt und zog knapp 80 Gäste nach Engersen. Anschleißend gab es noch eine Diskussionsrunde.

Quelle: AZ-Online