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5. September 2017

Wir trauern um Eduard Stapel

Am Sonntag, den 3. September ist der Bürgerrechtler und Vorkämpfer der DDR-Schwulenbewegung Eduard Stapel verstorben.

Zum Tod von Eduard Stapel erklärt der Landesvorsitzende Christian Franke:

„Wir sind tief betrübt über den plötzlichen Tod von Eduard Stapel. Er war der Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland. Seinen Mut und seine Verdienste werden wir nie vergessen. Er hat seine eigene Freiheit riskiert, um Freiheit und Selbstbestimmung für uns alle zu erreichen. Viele junge Schwule und Lesben können heute nur noch erahnen, welche staatlichen und gesellschaftlichen Repressalien Homosexuelle nur wenige Jahrzehnte zurück in unserem Land ausgesetzt waren. Dass das heute anders ist, haben wir Eddi Stapel zu verdanken. Er hat in der DDR ein Netzwerk von Aktivisten aufgebaut und auch die politische Schwulen- und Lesbenbewegung im vereinigten Deutschland initiiert. Ich bin mir nicht sicher, ob wir ohne ihn heute die Ehe für Alle in Deutschland hätten.“

„Eddi hat bis zuletzt Verantwortung bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN übernommen. Er war Ortsbürgermeister seiner Heimatstadt Bismark in der Altmark und auch im Gemeinderat und Kreistag aktiv. Von 1998 bis 2000 war er Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen-Anhalt. Der Landesverband wird demnächst in angemessener Weise an sein Wirken erinnern.“

Volker Beck, Mitglied des Bundestages und langjähriger Mitstreiter über Eduard Stapel:

„Eddi Stapel haben wir viel zu verdanken. Mit beispiellosem Mut und nimmermüden Engagement hat er für Demokratie, Menschenrechte und die Sachen der Lesben und Schwulen gestritten in der DDR, gegen die Unterdrückung der Stasi, in der Kirche und im vereinigten Deutschland. Die kirchliche Schwulenarbeit der Kirche in der DDR, das war Eddi. Ungeduldig und mit einem unverbrüchlichen Sinn von Gerechtigkeit war er ein echtes Vorbild für gesellschaftliches Engagement. Ohne ihn hätte es den LSVD nicht gegeben, wäre der § 175 StGB vielleicht in Folge der Einheit nicht gefallen, hätten wir den Kampf für die Ehe für alle nicht so früh mit so viel Erfolg führen können.

Wir haben Eddi sehr viel zu verdanken. Deshalb habe ich ihm am 30.6. im Bundestag auch ausdrücklich gedankt. Ich hoffe, dass ihm das noch etwas Kraft und Genugtuung gegeben hat. Er hatte kein leichtes Leben, er war ein Großer. Ich werde ihn nicht vergessen.“