1.500 ha Feuchtwald am Grünen Band in Gefahr

„WIR SCHAUEN HIN!“ | Öffentlicher Waldspaziergang in den Stadtforst Salzwedel am Sa., 16.11.2019 | Treffpunkt 10 Uhr an der Kirche Cheine

Salzwedel, 10.11.2019: Die Salzwedeler Bürgerinitiative „Pro Baum“, die Fridays for Future-Ortsgruppe Salzwedel, die Kreisgruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der Naturerbeverein Vissum und die BUND-Koordinierungsstelle Grünes Band Sachsen-Anhalt (Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.) laden für kommenden Samstag, den 16.11.2019 zu einem Spaziergang in den Stadtforst Salzwedel ein. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Kirche in Cheine. Das Motto des Waldspaziergangs lautet: WIR SCHAUEN HIN!.

Die Initiatoren möchten mit dem geplanten Waldspaziergang deutlich machen, dass die unten aufgeführten Eingriffe in den Feuchtwald nicht akzeptiert werden. Zugleich soll die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, was derzeit im Feuchtwald passiert. Ziel der Akteure ist es Bürgerinnen und Bürger für diese Gefährdungen zu sensibilisieren.

Ziel ist es zugleich mit weiteren beteiligten Akteuren (Behörden, Eigentümer) ins Gespräch zu kommen, um eine gemeinsame Grundlage für den Schutz und die weitere nachhaltige Entwicklung dieses einmaligen europäischen Gebietes zu schaffen.

Vor 2 Jahren erfolgte durch die Hansestadt Salzwedel der Verkauf des Feuchtwaldes an einen privaten Investor. Zuvor war der Wald 800 Jahre in Besitz der Kommune. Seit dem Verkauf des Waldes herrscht Unklarheit über die weitere Entwicklung des Gebietes.

Die zum Waldspaziergang aufrufenden Initiativen hoffen auf eine rege Beteiligung an dieser Veranstaltung.

Gefährdungslage

Der 1.500 ha große Feuchtwald des Salzwedeler Stadtforstes ist aktuell bedroht in seinem Bestand. Seit dem Frühjahr 2018 kommt es wiederholt zu Eingriffen beim Wasserstand, die zu einer Verschlechterung des gesamten Wasserhaushaltes in einer der größten und wichtigsten Naturschutzperlen am Grünen Band Sachsen-Anhalt führen. Besonders deutlich wurde der Eingriff in den Wasserhaushalt im Jahr 2019. Großflächig, nahezu vollständig, fiel bspw. die Blüte der Wasserfeder (auch Wasserprimel genannt, lat. Hottonia palustris) aus. Sie ist eine gefährdete Rote-Liste-Art, die auf ganzjährig hohe Wasserstände angewiesen ist.

Aber auch aus Sicht des Klimaschutzes hat eine Entwässerung dieses Feuchtwaldes verheerende Auswirkungen, denn entwässerte Feuchtwälder auf Moorstandorten setzen jedes Jahr bis zu 30 Tonnen CO2 pro Hektar frei. Dies entspricht ungefähr dem 2,5fachen des durchschnittlichen CO2-Fußabdrucks eines jeden Bundesbürgers.

Der Einsatz nicht angepasster Technik beim Holzeinschlag führt zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der empfindlichen Moorböden.

Die Errichtung von Schranken ohne Passiermöglichkeit für Radfahrer und Kinderwagen schränkt den öffentlichen Zugang in dieses Waldgebiet deutlich ein. Ursprünglich diente der Wald der Naherholung für viele Bürgerinnen und Bürger.

Zudem führen die immer wieder stattfindenden intensiven Fütterungen mit Mais und die Anlage von Wildäckern im Stadtforst zu einer Erhöhung der Wildschweindichte. Das bedeutet eine Gefährdung vieler bodenbrütender Vogelarten in diesem europäischen Vogelschutzgebiet. Betroffen ist davon unter anderen der Kranich. Fütterungen sind dabei weder mit dem Jagd-, noch nicht dem Naturschutzrecht zu vereinbaren.

Hintergrundinfos zum Feuchtwald

Teilflächen des Stadtforstes Salzwedel bilden mit einer Gesamtgröße von 1.500 Hektar (zusammen mit angrenzenden Feuchtwäldern auf der niedersächsischen Seite des Grünen Bandes) einen der größten unzerschnittenen Feuchtwaldkomplexe in ganz Deutschland. Der Wald besitzt für viele Artengruppen und Lebensräume eine überregionale, teilweise sogar bundesweite Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz und ist Rückzugsgebiet für viele Arten der Roten Liste.

Besonders hervorzuheben sind die Vorkommen an Großvögeln, wie Kranich und Schwarzstorch, sowie bedeutende Populationen an Fledermäusen, Amphibien und Tagfaltern. Durch die Lage am Grünen Band, der ehemaligen innerdeutschen Grenze, war das Waldgebiet über 40 Jahre von vielen Eingriffen verschont geblieben.

Das Gebiet unterliegt zahlreichen nationalen und internationalen Schutzbestimmungen. Ein strengerer Schutz geht in Deutschland nicht!!! So ist dieses Gebiet als FFH- und EU-Vogelschutzgebiet streng geschützt. Auch durch die Landesverordnung für die Natura 2000-Gebiete in Sachsen-Anhalt ist dieser Bereich streng reglementiert – die Erlenbruchwälder stellen gesetzlich geschützte Biotope dar. Der Wald ist Lebensraum zahlreicher streng geschützter Arten, deren Lebensräume und Populationen nicht zerstört oder beeinträchtigt werden dürfen.

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