Redebeitrag der Kreissprecherin beim Klimastreik in Salzwedel

Heute am Tag des internationalen Klimastreiks, wird weltweit auf die katastrophale Lage unserer Erde hingewiesen. Die Debatte über den Zustand unserer Erde hat vorrangig etwas mit Genderaspekten in der Klimaschutzdebatte zu tun und wie zerstörerisch das patriarchale System ist.

Was Klimaschutz mit Feminismus zu tun hat, fragt ihr euch jetzt vielleicht? Ich denke sehr viel.

Schauen wir uns die bereits Betroffenen der Klimakatastrophe an, das sind und werden vorrangig Frauen des globalen Südens sein. Frauen die abhängig sind von den globalen Ressourcen und sich nicht schützen können vor Naturgefahren und klimatischen Veränderungen. Frauen die einen ungleichen Zugang zu Bildung, Gesundheit und Lebensunterhalt haben und somit keinen Zugang zu gut bezahlter Arbeit, dabei haben sie ein erhöhtes Risiko geschlechtsspezifische Gewalt zu erfahren.                                                      

Im globalen Süden arbeiten 70 Prozent der Frauen in der Landwirtschaft und stellen 90 Prozent der Grundnahrungsmittel her. Ihnen gehören aber nur ein Prozent der Ackerflächen. Durch die Folgen der Klimakrise kommt es zu Ernteausfällen und somit zu Verdienstausfällen. Das verstärkt die soziale Ungerechtigkeit der Frauen und anderer marginalisierter Gruppen und es zeigt, dass es keine Klimagerechtigkeit ohne Gendergerechtigkeit geben wird.

Der Ukraine-Krieg zeigt gerade sehr deutlich, wer als erstes von den steigenden Energiepreisen betroffen ist – diejenigen die am wenigsten Geld haben. Wenn es jetzt zu Unterstützungsangeboten durch die Bundesregierung kommt, profitieren davon primär gutverdienende Männer. Männer fahren mehr mit dem Auto anstatt den ÖPNV zu nutzen, sie arbeiten eher in Ressourcen-intensiven Berufen wie Landwirtschaft oder Transportwesen während Frauen in Berufen arbeiten die ressourcenschonender sind und somit weniger von den jetzigen Unterstützungsangeboten partizipieren werden.

Schaut man in die Industriestaaten des globalen Nordens sieht man vorrangig eins: die klimaleugnenden, toxischen Männer wie Trump oder Vertreter der sogenannten AfD die alle Bestrebungen zu Nichte machen wollen den Klimawandel aufzuhalten. Bei der Aushandlung des Pariser Klimaabkommens waren gerade einmal 20% der Beteiligten Frauen. Frauen sind aber diejenigen die die Klimakrisen am stärksten spüren werden. Luisa Neubauer sagte dazu „Die Wurzeln der Klimakrise liegen in Macht-Hierarchien von Männern über Frauen, von weißen Menschen über People of Colour, von Männern über die Natur“.

Feministische Klimapolitik geht einher mit einer fundamentalen Kapitalismuskritik. Wir müssen aufhören Profite über Ressourcenschonung zu stellen, wir brauchen ein neues globales Wirtschaftssystem. Wir müssen jetzt diese existenzielle Krise nutzen, um unser gescheitertes kapitalistisches System zu transformieren – in ein klimagerechtes radikal neues System. Bisher lief Kapitalismus doch so: die Wirtschaft ist immer weiter gewachsen und hat dabei die natürlichen Ressourcen zerstört. Jetzt sind wir an den Grenzen unserer natürlichen Ressourcen angekommen-wir können nicht weiterwachsen und das stellt die gesamte neoliberale Wirtschaftspolitik in den Schatten. Die Wirtschaft muss schrumpfen um klimaneutral zu werden, wir müssen uns weg vom Kapitalismus hin zu einer ökologischen Kreislaufwirtschaft entwickeln. Es gibt eine Studie die belegt, dass wir nur 50 Prozent der Sachen nutzen, die wir kaufen. Was würde passieren, wenn wir ab jetzt nur noch halb so viel konsumieren?